Vortrag: “Land und Stadt – Ratingen in der Frühen Neuzeit” mit Dr. Erika Münster-Schröer
Die ältere Geschichte Ratingens wird zumeist unter den Blickwinkeln des Bürgertums und des Handwerks betrachtet. Schmiede und Schleifer trugen zwar im Mittelalter in hohem Maße zum Wohlstand der Stadt bei. Doch hatte auch die ländliche Umgegend einen großen Anteil daran. Der Naturraum im Umfeld der Stadt war größtenteils Wald, unterbrochen von einzelnen Wiesen und durchzogen von Bächen. Die Stadtbewohner hatten das Recht, Kleinholz, Bucheckern oder Flächen als Viehweide zu nutzen. Dies bedeutete aber nicht, dass sich jeder nach Belieben bedienen konnte. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelten sich genau abgestufte Rechte, die in Waldordnungen geregelt wurden. Die Waldordnungen hatten vor allem einen schonenden Umgang mit der Ressource „Holz“ im Blick, denn allen Menschen war klar, dass das Nachwachsen von großen Bäumen wie etwa Eichen und Buchen einen langen Zeitraum in Anspruch nahm. In Kriegszeiten wie dem 30-jährigen Krieg wurden dies allerdings regelmäßig missachtet.
Dr. Erika Münster-Schröer ist Historikerin und Germanistin. Sie leitete bis 2020 das Stadtarchiv und die Stadtbibliothek Ratingen und ist Lehrbeauftragte im Fachbereich Frühe Neuzeit der Universität Duisburg-Essen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Hexenverfolgung, historische Kriminalitätsforschung sowie Stadt- und Landesgeschichte. Neben zahlreichen Veröffentlichungen zu diesen Themenbereichen ist sie Mitautorin der im Jahr 2000 erschienenen umfangreichen Stadtgeschichte: „Ratingen. Geschichte 1780 bis 1975“. In ihrem neuen Forschungsprojekt hat sie das Umland der Stadt Ratingen, die Marken, und ihre differenzierte Nutzung in der Frühen Neuzeit untersucht. Eine Veröffentlichung dieser Ergebnisse ist für das Jahr 2027 in Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde und Heimatpflege e.V. geplant.
Dauer: ca. 60 Minuten.
